„Plakatomania“


Ein Interview mit Gosia Hejnat für "play MASTA- magazin for creative activism"
Sich nach draußen auf die Straße begeben und aus dem Moment heraus spontan etwas zu kreieren, dass aus kaum mehr als den vorgefundenen Materialien besteht – das ist das, was die Künstlerin Gosia Hejnat für die Videoinstallation Plakatomania gemacht hat. Gefilmt wurden die Aufnahmen vom Videokünstler Paul Prendergast. Der Film zeigt, wie die Künstlerin aus alten Postern vollkommen neue Bilder gestaltete und mit nach Hause nahm.„Ich hatte vorher überhaupt keine Idee zu den Bildern. Sie sind das Ergebnis meiner spontanen Reaktion auf die Poster und das, was just in diesem Moment um mich herum geschah. Alles, was ich für unwichtig hielt, übermalte ich mit weißer Farbe und gestaltete dann neue Motive, die mir in den Kopf kamen. Ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich die fertigen Werke abreißen und mit nach Hause nehmen sollte. Jedes einzelne Poster ist ein Teil der Geschichte Berlins und zeigt Ereignisse und Veranstaltungen, die stattfanden. Ich befürchte, dass dieses Durcheinander aus Postern in zwanzig Jahren nicht mehr existieren wird, da die Straßen immer stärker kontrolliert und gesäubert werden. Dann werden die Poster tatsächlich ein Teil der Geschichte sein.
Ich lebte einen Sommer in Berlin in der Nähe der Warschauer Straße und erlebte täglich eine wahre Informationsflut. Jeden Tag passierte etwas Neues, und jeden Tag hingen neue Plakate an den Wänden. Die Poster und Plakate, die mich am meisten interessiert haben, waren die illegal angebrachten. Selten wurden sie entfernt, sondern einfach nur täglich überklebt, so dass sie kontinuierlich dicker wurden. Den größten Eindruck auf mich machte eine Lage an Plakaten, die sich nach einigen verregneten Tagen mit Regenwasser vollgesogen hatte und heruntergefallen war. Informationen, die keiner mehr brauchte, lagen in einem großen Durcheinander auf der Straße. Ich liebte die verdreckten Plakate und das Wirrwarr. Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich mit diesem Haufen an Materialien etwas gestalten müsse.
Ich fühlte mich in der Anonymität der Großstadt Berlin nicht beachtet. Es kam mir vor, als würde niemand meine Existenz wahrnehmen. Deswegen wollte ich diese Street Art machen. Ich wollte zeigen, dass ich existiere. Ich wollte „Hallo“ sagen. Es ist ein großer Unterschied, ob man als Künstler in einem geschlossenen Raum arbeitet, oder ob man draußen auf der Straße arbeitet. Ich bevorzuge es, auf der Straße zu arbeiten, weil ich dort kreativer arbeiten kann und mehr Ideen entwickele.
Auch Paul Prendergast ist von der Street Art in Berlin fasziniert, was man seinen Videos ansieht. I mag die Art, wie er Filme aufnimmt und welche Musik er benutzt. Es war für mich nahe liegend, ihn zu fragen, ob er meine Ideen und Aktionen filmen wolle.“ 

Film: http://www.youtube.com/watch?v=0uC7XPdSZ2k